Svätopluk Mikyta und Attila Szücs

Ausstellungseröffnung von SVÄTOPLUK MIKYTA & ATTILA SZÜCS, gemeinsames Projekt mit der „Gast-Galerie Emmanuel Walderdorff“ aus Köln in der MIIL
Montag, den 5. November 19.00 - 22.00 Uhr
Die Emmanuel Walderdorff Galerie geht auf Tour.

Dank der Einladung des Kuratoriums Kränzel, freuen wir uns erstmals im schönen Südtirol Station machen zu dürfen. Wir zeigen Zeichnungen und Gemälde von Svätopluk Mikyta, Slowakei und Attila Szücs, Ungarn. Es ist uns eine große Freude, Ihnen einen Auszug der zeitgenössischen Hochkultur dieser beiden Länder präsentieren zu können, denn sowohl Svätopluk Mikyta als auch Attila Szücs zählen (nicht nur) dort zu den führenden Künstlern ihrer Generation.

Svätopluk Mikyta studierte von 1992 bis 1999 an den Staatlichen Hochschulen der Bildenden Künste Bratislava und Stuttgart. 2008 gewann er den Oskár Cepan Award (YVAA) und wurde damit zum besten Nachwuchskünstler seines Landes nominiert. 2011 wurde er mit dem hoch dotierten STRABAG Art Award International in Wien ausgezeichnet. Seine Arbeiten befi nden sich in namhaften öffentlichen wie privaten Sammlungen in Europa und den USA.

Attila Szücs studierte von 1985 bis 1993 an der Ungarischen Akademie der Schönen Künste Budapest. Auch er gewann 1997 - damals als erster Preisträger - den STRABAG Art Award International. Seitdem trägt er maßgeblich zur Entwicklung der Malerei seines Landes bei. Auch seine Bilder fi nden internationale Aufmerksamkeit und sind weltweit in Sammlungen und Museen vertreten.



Zur Ausstellung von

Svätopluk Mikyta und Attila Szücs

von Johannes Schlichting
Seit 1995 kann man ein weltweites Phänomen beobachten: jemand legt sich in Habachtstellung mit Gesicht zur Erde auf den Boden und lässt sich dabei fotografieren. Unzählige solcher Aufnahmen finden sich im Internet unter dem Begriff 'Planking‘. Sie dokumentieren eine massenhaft betriebene absurde Aktion, eine Art instantes Kunstwerk, mit einfachen Mitteln von Jedermann realisierbar und in seiner Massenhaftigkeit auf mancher Ebene zu interpretieren. Von Attila Szücs wird diese seltsam vornübergefallene Figur wie selbstverständlich in die traumatisch aufleuchtenden Bildräume seiner Gemälde integriert. Dort erhält das mittlerweile banale Massenspiel neue Rätselhaftigkeit. Die Vertikalität des Figur-Seins wird verweigert und mit der Horizontalen vertauscht. Die Figur stellt sich tot. Zugleich macht sie in ihrer absurden Position demonstrativ auf sich aufmerksam. Diese paradoxe Mischung aus Zeigen und Verbergen, Erscheinen und Verschwinden ist den Figuren in Szücs Gemälden gemeinsam, auch wenn sie nicht bäuchlings liegend vorkommen. In dem Gemälde 'hiding figure' sehen wir einen Mann im Anzug, der einen Rosenstrauß vor sein Gesicht hält. Auf den ersten Blick nehmen wir die festliche Gelegenheit wahr, einen gewöhnlichen mit Blumen dekorierten Glückwunsch. Doch ist die Haltung der Figur dafür zu lässig, die Stimmung des Bildes zu düster und der Strauß so groß, dass wir unsicher werden, ob die Blumen tatsächlich einen Kopf verbergen, oder ob sie nicht unmittelbar aus dem Rumpf der Figur hervorgewuchert sind. - In einem anderen Bild scheint es, als ob eine Fotografie von vier Hirschen sich in Säure auflöst. Die zerstörenden Blasenwürfe sind dabei über der Horizontlinie gemalt, anstelle eines stürmischen Himmels. Auch hier verbirgt sich eine Figur in Bauchlage. Der Titel 'vanishing practice' bezeichnet sowohl die Handlung der Figur als auch das Zersetzen des Bildes. Doch nicht nur die Melancholie des Vergänglichen ist hier von Bedeutung, sondern auch, dass das Verschwinden praktiziert wird. Der Kraft des Verfalls lässt sich die Kraft bewusster Aktivität entgegensetzen. Entscheidend ist das Verhältnis, welches diese beiden Kräfte zueinander finden. In Szücs‘ Gemälden und Zeichnungen ist dieses Verhältnis derart austariert, dass eine Art magischer Schwebezustand entsteht, eine schillernde Zweideutigkeit, zugleich unheimlich und faszinierend. Auch Svätopluk Mikyta beschäftigt sich mit dem Wechselspiel zwischen Verschwinden und Erscheinen. Doch gibt es bei Mikyta meist einen konkreten Erinnerungsgegenstand in Form von überarbeiteten und collagierten Buchillustrationen. Die künstlerische Arbeit beginnt hier bereits mit dem Sammeln und Systematisieren von historischem Bildmaterial. Der ursprüngliche Kontext der Buchvorlage wird durch ein genaues Ausschneiden eines bestimmten Details eliminiert. Das also befreite Detail wird mit verschiedenen grafischen Techniken überarbeitet, beeinflusst oder sogar unkenntlich gemacht. Zusätzlich tritt es in ästhetischen Zusammenhang mit formalen und farblichen Elementen und (nicht zuletzt) mit einer speziellen Rahmung. Was einmal ein Buchdetail von geringer Bedeutung war, wird in der Neuinterpretation Mikytas zum zeitlosen Bildobjekt, was an die Aktualität früherer Zeiten gebunden war, erhält zeitübergreifende Relevanz. Zudem werden diese Arbeiten in Gruppen zusammengefasst und an der Wand zu raffinierten Konstellationen oder auch Bildtexten angeordnet. Nicht selten wird dabei ein und dieselbe Vorlage zweimal unterschiedlich bearbeitet, und paarweise gezeigt. Die neue Serie des Künstlers 'earth' besteht ausschließlich aus solchen Verdoppelungen. Gegenstand der Serie ist ein Bildband aus den 1950er Jahren mit Landschaftsaufnahmen aus der Hohen Tatra. War für frühere Serien eher der Begriff 'Portrait' oder 'Figur' charakteristisch, tritt nun der Begriff 'Landschaft' erstmals in den Vordergrund. Neu ist auch, dass hier farbige Bildvorlagen malerisch manipuliert werden. Mikyta greift hier nicht nur in die Verfärbungen eines romantischen Naturbegriffs ein, sondern arbeitet auch die diesem Begriff innewohnenden Utopien heraus. Dabei erzeugt er eine durchaus fiktive, neue Landschaft in bedrohlich changierenden Nuancen und wirft dabei Fragen nach der Aufarbeitung einer verhängnisvollen Epoche auf.
 
Svätopluk Mikyta und Attila Szücs
Svätopluk Mikyta und Attila Szücs
Svätopluk Mikyta und Attila Szücs
 




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