Die Ausstellung „Frauen / Donne“ im Kränzelhof vereint 18 künstlerische Positionen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema der Frau auseinandersetzen. Und schon an diesem Punkt möchte ich betonen: Es geht hier nicht um eine einzige Definition, nicht um ein festgelegtes Bild. Vielmehr begegnen wir einem vielstimmigen, offenen Raum – einem Spannungsfeld zwischen Körper, Identität, Erinnerung, Projektion und gesellschaftlicher Realität.


Die Skulptur begleitet die Menschheit seit Jahrhunderten. Und gerade in der Darstellung des weiblichen Körpers spiegeln sich kulturelle Modelle, soziale Rollen und Machtverhältnisse wider. Lange Zeit wurde die Frau betrachtet, interpretiert und idealisiert – jedoch selten aus ihrer eigenen Perspektive.


Diese Ausstellung setzt genau hier an – nicht als Korrektur, sondern als Erweiterung. Sie öffnet den Blick für unterschiedliche Stimmen, für persönliche Zugänge und für neue Formen des Sehens. Die hier versammelten Künstlerinnen und Künstler nähern sich dem Thema nicht nur formal, sondern auch inhaltlich mit großer Sensibilität und Eigenständigkeit. Ihre Werke erzählen von Stärke und Verletzlichkeit, von Intimität und Öffentlichkeit, von Zuschreibungen und Selbstbestimmung.


Die Frau erscheint hier nicht als Objekt, sondern als Subjekt – nicht als festgelegte Form, sondern als Prozess.

Ein Zitat der amerikanischen Schriftstellerin Anaïs Nin bringt dies sehr treffend auf den Punkt:
„Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie, wie wir sind.“ Dieses Zitat begleitet mich in der Auseinandersetzung mit dieser Ausstellung besonders. Denn es erinnert uns daran, dass jede Betrachtung auch eine Selbstbetrachtung ist. Jede Skulptur, jede Form, jede Leerstelle fordert uns heraus, unsere eigenen Bilder, Erwartungen und Prägungen zu hinterfragen.

Die bildhauerischen Arbeiten dieser Ausstellung spiegeln dabei eine große Vielfalt an Materialien, Ausdrucksformen und künstlerischen Haltungen wider. Holz, Metall, Bronze – jedes Material bringt seine eigene Sprache mit sich, seine eigene Widerständigkeit und Sinnlichkeit. Manche Werke erscheinen filigran und beinahe fragil, andere wiederum kraftvoll und raumgreifend. Gemeinsam ist ihnen die Auseinandersetzung mit der Vielschichtigkeit menschlichen Daseins.

Der Kränzelhof als Ausstellungsort spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Zwischen Natur, Architektur und Kunst entsteht ein Dialog, der die Werke nicht isoliert zeigt, sondern in einen lebendigen und dynamischen Kontext einbettet. Die Skulpturen treten in Beziehung zu ihrer Umgebung – und ebenso zu uns als Betrachterinnen und Betrachtern.


Ich lade Sie ein, sich Zeit zu nehmen, genau hinzusehen, zu verweilen und sich vielleicht auch üerraschen zu lassen. Denn genau das ist die Stärke der Kunst: nicht Antworten zu geben, sondern Räume zu öffnen.

Nicole Abler - Kuratorin